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Wie Marken auf Facebook Kommunizieren

Gefahr und Gewinn für Marken auf Facebook

Ein Gastbeitrag von Björn Braune

Erster Teil: Warum Menschen Fans bei Facebook werden

Zweiter Teil: Die Regeln der Onlinekommunikation

 

Was die neue Kommunikationsformen für Marken bedeutet

Für Marken ist diese Erkenntnis elementar, da das bedeutet, dass die auf den entsprechenden Kommunikationsstrategien beruhenden Kampagnen für Zulauf sorgen, Likes die Bekanntheit steigern, die Reputation der Marke im Netz verbessern und damit letztendlich auch die Verkaufszahlen erhöhen.

Man könnte fast sagen, dass es sich um eine Art gegenseitige Abhängigkeit handelt: User, die sich im Offlineleben stark mit Marken identifizieren, brauchen deren Präsenz auch in der digitalen Welt um sich nach ihrem Geschmack zu kleiden und zu inszenieren. Allerdings lassen sich eben Schuhe oder ein Parfüm nicht in Bits und Bytes übertragen, es muss ein digitales Äquivalent gefunden werden.

Verfügen beispielsweise Zeitungsverlage per se schon über gute und informative Inhalte und liefern ihren Fans damit ihr Hauptprodukt gleich online, muss man für Consumer- und Lifestyleprodukte neue Wege erfinden. Allerdings steckt hinter dem „Liken“ der Inhalte der Zeitung das wahrscheinlich schon vorher erworbene Vertrauen der Leser in die Marke – dies sollte Online dann nicht enttäuscht werden. Und wer Offline keine Adidas-Schuhe mag, wird sich wohl kaum ausschließlich Online überzeugen lassen.

 

Wie man die richtigen Aktionen und Kampagnen konzipiert

Art der Aktion und das damit verbundene Engagement der Fans muss zur Marke passen und dem User nach Möglichkeit neben der Identifikation noch einen Mehrwert bieten – das kann manchmal auch einfach nur Spaß sein.

Und es ist für nahezu jede Marke anders, aus diesem Grund gibt es auch kein Patentrezept für funktionierende Kampagnen im sozialen Netz. Gleichwohl gibt es Möglichkeiten, die Fans für die Beteiligung zu motivieren, durch Belohnungen, Gewinnspiele oder Mitsprache.

So kann zum Beispiel die gewonnene Reise mit der „Pflicht“ verknüpft sein zu berichten, Fotos zu veröffentlichen oder durch ähnliche Maßnahmen ein Gewinnspiel sogar nach dessen Ende inhaltlich weiter auszuschöpfen.

Vor allem aber muss man immer bedenken, dass dieses Medium noch so jung ist, dass Marken, Agenturen und die User selber in Bezug auf Werbung und Kampagnen noch in der Lernphase sind. Wie sich unser aller Verhältnis zu Marken im Netz entwickeln wird, hängt nicht zuletzt vom Verständnis der User und der Dialogbereitschaft der Marken ab.

 

Beispiele für Kampagnen

Bei Aktivitäten im sozialen Netz ist zu bedenken: Social Media ist Dialog! Und hier können die oben beschriebenen fehlenden Elemente in der Kommunikation auch zu Fallstricken werden. Gleichzeitig ist zu bedenken, dass nicht alle Kampagnen wunschgemäß verlaufen oder gesteuert werden können.

Die Aktion „Brigitte“ von Otto ist hierfür ein gutes  Beispiel. Aktuell zeigt die Facebook-Kampagne von Pril (Henkel), dass Engagement der User anders aussehen kann, als sich die Marke das wünscht. Hier besteht die Kunst darin, die Online-Fans mit der eigenen Reaktion nicht zu enttäuschen, aber in der Offlinewelt die Marke auch nicht zu beschädigen.

Im Falle von Otto war der Aufmerksamkeitsfaktor extrem hoch und dieser Aspekt hat die Macher überwogen den abseitigen Humor der User mitzutragen. Letztendlich eine gute Entscheidung, denn auch als Marke muss man über sich selbst lachen können und den Usern die Mitbestimmung geben, die sie sich wünschen.

 

Björn Braune

Die Regeln der Onlinekommunikation

Wie Marken in Social Media erfolgreich kommunizieren

Ein Gastbeitrag von Björn Braune

Erster Teil: Warum Menschen Fans bei Facebook werden

 

Online Kommunikation folgt anderen Regeln

Wie in der Offlinewelt, so brauchen Menschen auch Online Orientierungspunkte – um so mehr, da bei der digitalen Kommunikation wesentliche Bestandteile der analogen Kommunikation abwesend sind: Die Gesten des Gegenübers fehlen, der Gang, die Stimme, der Geruch, der Tonfall der Stimme – und vieles mehr, das für eine funktionierende Kommunikation anderweitig ergänzt werden muss.

Ein Modell für die Offlinewelt ist das so genannte Kommunikationsquadrat von Schulz von Thun, bei dem die Kommunikation in 4 Ebenen unterteilt wird. Die Botschaft besteht hier aus der Sachinformation, der Selbstkundgabe, dem Beziehungshinweis und dem Appell.

Wenn ich als Mensch etwas von mir gebe, bin ich auf vierfache Weise wirksam. Jede meiner Äußerungen enthält, ob ich will oder nicht, vier Botschaften gleichzeitig. Die Äußerung hat dabei vier Ebenen auf der Seite des Senders und trifft auf die “vier Ohren” des Empfängers. Sowohl Sender als auch Empfänger sind für die Qualität der Kommunikation verantwortlich, wobei die unmissverständliche Kommunikation der Idealfall ist und nicht die Regel. (Quelle Schulz von Thun)

 

Botschaften entschlüsseln

In der Offlinewelt „lesen“ wir große Teile der Botschaften unseres Gegenübers durch die oben erwähnten Zusatzinformationen wie Gesten und anderes. Online müssen diese Dinge in der Kommunikation ergänzt werden – Beispiel hierfür sind Emoticons wie Smileys oder andere kleine Bildchen, aber vor allem bei Unklarheiten direktes Nachfragen und insgesamt das Senden von ausführlichen, klaren Botschaften.

Bezogen auf die Markenkommunikation im Sozialen Netz bedeutet das zweierlei: Die Marke muss sich in der Kommunikation wie eine Person verhalten, ansprechbar sein und mit einem Verhalten reagieren, dass zu ihr passt. Gleichzeitig sind die fehlenden Elemente in der Online-Kommunikation auszugleichen und mit dem passenden Äquivalent auszufüllen.

Update: Als Erfinder der Emoticons gilt der Informatikprofessor Scott E. Fahlman, der den Vorschlag 1982 in einem Buletin Board postete.

 

Einfühlungsvermögen

Die Liste der Möglichkeiten ist lang und es würde zu viel Raum einnehmen alles aufzuzählen. Als Faustregel lässt sich sagen, dass man sich immer wieder in die Lage des Users – in dem Fall Kunde oder Käufer – versetzen sollte. Das Überprüfen von Dingen, die einem selbst unmissverständlich erscheinen hat oberste Priorität – schnell sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr.

Einfühlungsvermögen ist hier die wichtigste Eigenschaft! In der direkten Kommunikation auf der Pinnwand kann das bedeuten, dass man sich für Antworten im Zweifelsfall immer mit einem Kollegen abspricht. In der Entwicklung von besonderen und ausgefallenen Kampagnen sollten vor deren Start immer Test-User die Idee und deren Funktionalität beurteilen.

 

Geschichten erzählen

Ein wenig anders verhält es sich bei Kampagnen, die eine komplette Geschichte erzählen – so wie es Hornbach mit dem grenzenlosen Haus auf Facebook vorgemacht hat.

Website mit Kurzfilm: Das Grenzenlose Haus

Hier treten die Charaktere des Films als Personen auf und können als eben solche Kommunizieren – im Sinne der Marke natürlich. Das vereinfacht einiges, bietet spannende Möglichkeiten der Interaktion, ändert aber nichts an dem unbedingt notwendigen Einfühlungsvermögen – eher das Gegenteil ist der Fall.

 

Hier weiterlesen: Wie Marken erfolgreich auf Facebook kommunizieren

 

Björn Braune

Warum Menschen Fans bei Facebook werden

Markenkommunikation in sozialen Netzwerken

Ein Gastbeitrag von Björn Braune

 

Facebook-Fans

Das erklärte Ziel von Marken-Facebookpages besteht darin, mehr Fans für die Seite zu gewinnen, da diese zur Verbreitung der Inhalte und damit zur Erhöhung der Bekanntheit, der Produktverkäufe und des Traffics auf der eigenen Website beitragen. Fans und die Interaktion mit ihnen sind damit Basis und Sinn jeder Facebook-Page.

Ihr Nutzen für die Marken besteht vor allem darin, dass die auf der Facebookpage geposteten Artikel im Newsstream jedes einzelnen Fans erscheinen. Empfehlungen, also Likes, und Kommentare sehen dann wieder deren Freunde und so weiter.

Das Zauberwort an dieser Stelle heisst Hyperdistribution, allerdings bezieht sich dieser Begriff hauptsächlich auf Seiten von Tageszeitungen – Inhalte so weit wie möglich reisen lassen – doch im Sozialen Web profitieren alle Marken vom „Reisen“ ihrer Inhalte.

Die wichtigsten Gründe Fan einer Seite zu werden:

1. Hochwertige Qualität der Inhalte (Unterhaltung, Information oder beides)

2. Benefit – Fans bekommen etwas umsonst für ihre Loyalität (Tickets, Punkte o.Ä.)

3. Mit der Marke interagieren und informiert bleiben

(Siehe hierzu den Artikel auf Mashable aus dem September 2010 – die Zahlen dürften nicht mehr ganz aktuell sein, die Tendenzen sind jedoch nach wie vor ähnlich – auch wenn es sich um eine amerikanische Studie handelt.)

 

Warum Menschen Fan werden

Ein anderer Grund Fan einer Marke zu werden, ist die Profilierung: Wie in der Realität, so definieren sich auch im Netz Menschen über Marken. Wer gerne Adidas-Sneaker trägt, kann das im Social Network natürlich nicht tun, aber durch das „Fan sein“ seinen Freunden zeigen, welcher Style bevorzugt getragen beziehungsweise gelebt wird. Man könnte sagen, dass auf Facebook die Markenpages auch eine Art virtueller Kleiderschrank sind.

Wobei sich das Ganze im Netz nicht nur auf Kleidung begrenzt, sondern alles einschließt, was dem Ausschmücken des Profils dient: Die Inszenierung des Ich im Netz braucht andere Hilfsmittel als in der analogen Welt, aber hat dafür alle Möglichkeiten der Vernetzung und des Teilens.

Ist zum Beispiel mein Lieblings-Make-up auch Online präsent und erlaubt mir im Netz die Verschönerung meines Profilfotos mit einem Onlinetool, so bekomme ich einen Mehrwert für meine Inszenierung und behalte die Marke auch Offline in guter Erinnerung.

 

Menschen begegnen

Ich zeige also mit meiner Fan-Zugehörigkeit und den geposteten Dingen, wie ich in der realen Welt bin, meine Likes und Dislikes machen mich als Mensch greifbar, die Konturen meines Profils werden geschärft. Außerdem können mich dann auch andere Menschen darüber einordnen: Haben wir Gemeinsamkeiten? Hören wir ähnliche Musik, mögen die gleichen Filme, lesen die gleichen News und gehen auf die selben Partys? Vielleicht haben wir uns etwas zu sagen, könnten Freunde werden, Meinungen, Musik oder noch mehr austauschen…

 

Hier weiterlesen: Die Regeln der Onlinekommunikation für Marken

 

Björn Braune

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FALSCHER WEG VON ZU GUTTENBERG

Stephanie zu Guttenberg hat ein Herz für Kinder, besonders die missbrauchten und deshalb macht sie bei einer Sendung von RTL 2 mit, die den klangvollen Namen “Tatort Internet” trägt. Die gute Frau ist sich offensichtlich nicht im Klaren darüber, dass auf RTL 2 regelmäßig zwielichtige Sex-Reports laufen – also genau der richtige Sender für ein Thema wie dieses. Noch erbärmlicher ist aber, dass ein wichtiges und heikles Thema derart instrumentalisiert wird. Netzpolitik hat noch ein paar interessante Details und bei DWDL.de ein längerer Artikel zum Thema.

SOCIAL REVOLUTION

In der Sueddeutschen ist am 05.10.2010 ein Artikel erschienen, wie sich in Amerika Malcom Gladwell und Clay Shirky darüber streiten, welchen politischen Einfluss twitter, Facebook und Co. wirklich haben. Interessant dabei ist nicht nur die Frage, ob beispielsweise der Protest im Iran durch die Sozialen Netzwerke gefördert wurden, oder die Proteste unabhängig davon waren, sondern dass die Diskussion in Amerika einen anderen Grundton hat als es in Deutschland der Fall wäre. Mehr dazu im Artikel…

GOOGLE FACE TV

Google bastelt weiter fleissig an seiner TV-Plattform, integriert die unterschiedlichen Mediendienste und sogar twitter bekommt eine eigne App – aber Facebook geht leer aus. Martin Weigert beleuchtet das Ganze in einem ausführlichen Artikel bei Netzwertig.

FACE A PLACE

Facebook Orte startet jetzt auch offiziell in Deutschland und der Schweiz. Erfreulicherweise ist es diesmal Opt In, das heisst die Nutzer müssen den Dienst erst einschalten. Bisher hatte Facebook ja immer einen Neuerung eingeschaltet und der User musste sie deaktivieren… Ausführliche Artikel dazu bei Netzwertig, Neunetz und Basic Thinking Blog.

FACE ALTERNATIVES

Ist das kürzlich programmierte Open Source Netzwerk DIASPORA eine Alternative zu Facebook? Kann es das sein? Bei Social Marketing, SEO Blues & Rock´n´Roll gib es einen Artikel dazu. Allerdings ist mit der Öffnung von Facebook (Siehe Artikel HIER) die Chance für eine ernstzunehmende Konkurrenz geschrumpft.

SOCIAL MONEY

Es tobt ein Kulturkampf um das Geld – Verlage versuchen in Deutschland mit Leistungsschutzrecht und ähnlichem ihr Geschäftsmodell zu retten, das vom Aussterben bedroht ist. Bei DRadio Wissen diskutieren Ulrike Langer von Media Digital, Robin Meyer-Lucht von Carta, Marcel Weiss von Neunetz und Markus Heidemeier von DRadio Netzreporter über die Auswirkungen und Folgen.

Dazu passt auch der Artikel von Marcel Weiss über knappe Güter.

BUNDES STREET VIEW

Wer sich über Google Streetview aufregt, sollte sich fragen was schlimmer ist: Das Foto der eigenen Hausfassade im Netz, oder die eigene Adresse samt allen Daten in der Hand von professionellen Datenhändlern. Gut, eine rein rhetorische Frage, doch wohl schon länger Realität, denn die Meldestellen in Deutschland verkaufen die Adressen der bei ihnen gemeldeten Personen. Also die Daten der Bürger. Unsere persönlichen Daten. Wer jetzt noch mein Google wäre böse und unser Staat beschützt uns vor Datendieben, dem ist nicht mehr zu helfen. (Via Golem)

TWITTERAMA DRAMA

Kaum hat der Intendant vom MDR einen Twitteraccount, schickt er auch prompt den ersten peinlichen tweet raus. Kurze Zeit später entschuldigt er sich. Hoppla, die neuen Medien noch nicht so ganz verstanden Herr Intendant? Nun ja, man sollte jemanden nicht auf Grund einzelner Fehler bewerten, sondern auf Grund ihrer Summe. In diesem Sinne sind wir in freudiger Erwartung der PR-Desaster die da noch kommen mögen – natürlich nicht nur vom MDR-Intendanten.

LET THE MUSIC PLAY

Die eigene Musik in einer Petrischale züchten… wie soll das gehen? Mit Seaquencer, denn da kann man kleine Soundschnipsel wie Lebewesen in eine Petrischale packen und miteinander Musik machen lassen. Sehr schöne Idee, unbedingt ausprobieren oder das Demovideo anschauen. Jetzt müssen die Macher es nur noch hinbekommen, dass sich die Musiktierchen von selber vermehren… (Via Nerdcore)

HELP FROM MY FRIENDS

Ein Obdachloser spielt gnadenlos genial mit zwei Kermitpuppen den Song Under Pressure – wenn ich könnte, würde ich von hier aus was in seinen Hut werfen! (Via Nerdcore)

DAS VORLETZTE

Hurra, endlich kann ein Algorithmus bestimmen welchem Schriftsteller mein Schreibstil gleicht – die FAZ macht es möglich. Einfach Text in die Box kopieren und sich über das Ergebnis freuen – oder ärgern. Direkter Test mit unterschiedlichen Texten ergab: Sigmund Freud (Blogeintrag zum WeTab), Sibylle Berg (eigener Prosatext) und Ingo Habichnochniegehört. Viel Spaß!

DAS LETZTE

Ich war ja noch nie ein Freund von Schach, aber dieses Schachspiel kann man sich wortwörtlich in den A….. schieben, denn es besteht aus lauter Dildos. Ja genau, ein Schachspiel, dessen Figuren Dildos sind. Der Engländer würde sagen: A fucking good game! Oder so ähnlich. Nun ja, wer es mag der wird bei dem Anblick sicher schach werden, äh, schwach werden… (Via Nerdcore)

DAS ALLERHINTEROBERLETZTE

Die Nahrungsmittelindustrie ist ja für ihre Schweinereien bekannt, aber wie das aussieht, wo dann später Chicken Nuggets und andere Sachen draus gemacht werden… brrrrr. Half processed chicken heisst das, was bedeutet, dass ein komplettes Huhn einfach durch ein Sieb gepresst wird – ok, ohne Federn, aber ansonsten ist alles mit dabei. Hinterher chemisch behandelt, gefärbt, gepresst und und und… gibt´s natürlich nur in Amerika, ist ja klar… (Via Nerdcore)

Schönes Wochenende!

WeTab Desaster

Wieder einmal leistet sich ein Unternehmen im Netz einen groben Schnitzer – diesmal der Chef der WeTab GmbH, von dem man eigentlich annehmen sollte, dass er sich mit Social Media auskennt…

Der Geschäftsführer der WeTab GmbH, Helmut Hoffer von Ankershoffen, lässt sein Amt bis auf weiteres ruhen, da gefälschte positive Rezensionen zum noch nicht erschienenen WeTab bei Amazon unter seinem und dem Namen seiner Frau aufgetaucht sind.

Entdeckt und ausführlich beschrieben wurde es bereits am 2. Oktober im Gutjahr´s – Blog, ein weiterer Artikel mit der Stellungnahme des Geschäftsführers erschien am 4. Oktober. Medien wie Spiegel Online (Artikel 1 und 2) und Zeit Online haben das Thema aufgegriffen und das PR-Desaster damit perfekt gemacht.

UPDATE: Wie herkömmliche Medien mit Blogger-Enthüllungen dieser Art umgehen, lässt sich sehr schön auf medialdigital.de lesen. Dort hat Ulrike Langer das bei unterschiedlichen Medien dokumentiert und kommentiert. Sehr lesenswert!  (Via JakBlog)

Fake-Rezensionen bei Amazon sind nun nichts neues, ob Konkurrenzprodukte negativ bewertet werden oder das eigene Produkt über den grünen Klee gelobt wird – beides gängige, wenn auch nicht empfehlenswerte Praxis.

Besonders daran ist eher die Tatsache, dass jemand, von dem man eigentlich erwarten könnte Social Media und die damit verbundenen Fallstricke besser zu kennen, einen Fehler dieser Art begeht.

Erstaunlich ist auch, dass Hoffer von Ankershoffen laut seiner Stellungnahme die Rezensionen ohne interne Abstimmungen vorgenommen hat:

“Die beiden fraglichen Rezensionen auf Amazon habe ich privat verfasst ohne mich mit der übrigen Geschäftsführung oder unserer Kommunikationsabteilung abzustimmen.(…)“ (Via Gutjahr´s Blog)

An diesem Verhalten wird deutlich, dass sich sogar in Firmen, die Webaffin zu sein scheinen und entsprechende Produkte produzieren, die Kenntnis über die Mechaniken Social Media in Grenzen halten. Eine schnell und unbedacht verfasste Rezension wird so zur Katastrophe für den Marktstart eines Produktes, dass sowieso schon in der Kritik stand.

Unternehmen, die weniger mit dem Netz und Social Media vertraut sind, fürchten genau diese Szenarien für sich und ihre Produkte. Dabei ist es doch relativ einfach – wenn es schon eine Kommunikationsabteilung in der Firma gibt, dann sollte diese auch die entsprechenden Maßnahmen – wie auch immer die geartet sind – vornehmen, und nicht der Geschäftsführer selber. Das schützt zwar noch nicht vor Fehlern, aber interne Strukturen und klare Verantwortlichkeiten bieten in so einem Fall eine gewisse Absicherung.

Noch besser wäre es, damit einen Menschen zu betrauen, der sich in der Welt von Social Media besser auskennt und auch die technische Seite beherrscht, denn Social Media sollte man “nicht so eben nebenbei” machen.

Der Verantwortliche für die Social Media Strategie würde sicher auch darauf hinweisen, dass gefälschte Rezensionen und Kommentare nicht der Weg sind, den man beschreiten sollte. Denn mit ähnlichen Aktionen ist das WeTab schon einmal aufgefallen, wie ein Kommentar zu dem Artikel in Gutjahr´s Blog zeigt:

Man könnte nun natürlich auch mutmaßen, dass das Teil einer PR-Strategie ist, getreu dem Motto: Lieber schlechte Presse als gar keine. Aber in diesem Fall wird das bereits beschädigte Ansehen eines Produktes noch weiter ruiniert und der Kaufanreiz in keiner Weise unterstützt.

Dieser Vorfall zeigt, dass es offensichtlich immer noch großen Nachholbedarf für den Bereich Social Media bei allen Firmen gibt. Eine sinnvolle Beratung und Betreuung ist allemal besser und letztendlich Kostengünstiger, als ungeplante Guerilla-Aktionen dieser Art.

Freitags Links abbiegen

OBST FOR FREE

Auf der Website Mundraub sind per Google Maps herrenlose Obstbäume eingetragen, an denen man sich nach belieben bedienen kann. Die Karte ist mittlerweile recht groß, einen detaillierten Artikel dazu gibt es in der taz.  (Über Nerdcore)

SOCIAL MEDIA DESASTER

Unterhaltsamer Artikel im Magazin t3n, wie man sich ein Social Media Desater bastelt – ein Schelm, wer einige Firmen dabei wieder erkennt… (Über t3n)

TWITTER-JOKEY

MTV hat den ersten twitter-Jokey und Mashable berichtet mit einem Behind the Scenes Beitrag darüber. (Über Mashable)

FACEBOOK-FLUG-TICKETS

Delta Airlines hat ein Ticket-Window bei Facebook, über das man direkt auf der Facebook-Page von Delta Tickets kaufen kann. (Über Mashable)

ARD-ZDF-ONLINESTUDIE

Die Onlinestudie 2010 ist veröffentlicht und kann als PDF heruntergeladen werden. Auf Netzpolitik ein Artikel dazu. (Über Netzpolitik)

INITIATIVE PRO NETZNEUTRALITÄT

Hier kann man die neue Initiative unterstützen.

SOCIAL MEDIA STORY

Der Steward, der durch seinen Abgang per Notrutsche mit Dosenbier in der Hand zum Internetheld wurde – Artikel bei Masahble (1 Artikel und 2 Artikel) und bei Spiegel Online.

ZUM SCHLUSS

Der Generator für die Social Media Strategie – neue Vorschläge gibts bei Klicks auf “I´ve already f*** used that one.

Trauer über Love Parade

Eigentlich sollte an dieser Stelle heute ein anderes Thema behandelt werden. Auf Grund der traurigen und dramatischen Ereignisse bei der Love Parade am Wochenende soll aber statt dessen ein Teilaspekt der damit zusammenhängenden Berichterstattung im Internet betrachtet werden.

Zuerst möchten wir allen Angehörigen und Freunden der Opfer unser Beileid aussprechen und wünschen allen Verletzten schnelle und gute Genesung!

Im Zuge der Ereignisse haben wir am Samstag Abend und auch am darauf folgenden Sonntag die Entwicklungen im Netz und in diversen Foren beobachtet. Vor allem unter dem Gesichtspunkt der Geschwindigkeit von Informationsverbreitung, aber auch in Hinblick auf den Wandel der Medien insgesamt.

Am Sonntag fiel uns der Artikel des DWDL-Chefredakteurs Thomas Lückerath auf, der eine persönliche Recherche beschreibt.

Auf DerWesten.de entdeckte er zu einem Artikel über die Loveparade einen Kommentar eines ortskundigen Lesers, der bereits am Donnerstag, 22. Juli um 17:08 Uhr geposted wurde. Darin prophezeite der User klotsche einen bösen Ausgang der Ereignisse auf Grund der Situation am Tunnel (Es handelt sich um Kommentar #18, etwas weiter unter dem Artikel).

Mal ganz abgesehen von der unheimlich anmutenden Vorahnung des Users, ist der weitere Weg der DWDL-twittermeldung (Ein Screenshot des Kommentars bei DerWesten.de) sehr interessant. Denn nach dem tweet von Lückerath wurden die öffentlich-rechtlichen Medien auf die Meldung aufmerksam, Redakteure des ZDF meldeten sich bei Thomas Lückerath, der allerdings über den User auch keine weitere Auskunft geben konnte. Das heute-Journal des Abends stand – zumindest in Bezug auf das Bild- und Videomaterial ganz im Zeichen von Youtube und twitter. Andere Nachrichtenseiten – wie etwa Welt Online oder Bild – glänzten durch Unkenntnis und behaupteten, dass es sich um einen tweet vom Samstag handelte, statt um einen Screenshot des Kommentars vom Donnerstag, 22. Juli.

Trotz der tragischen und traurigen Ereignisse lassen sich mehrere Dinge ablesen:

Die Verbreitung von Informationen erfolgt durch das Netz mit unglaublicher Geschwindigkeit – so schnell, dass die öffentlich-rechtlichen Sender auf Bilder von Youtube und Fotos von twitter zurückgreifen, anstatt auf Material von Presseagenturen o.ä. Es wird zu beobachten sein, wie sich das in Zukunft auf die Berichterstattung auswirkt. Insgesamt steht der Medienlandschaft wohl neben den bisherigen Änderungen auch ein Wandel in der Berichterstattung ins Haus, speziell bei Ereignissen dieser Art.

Offenbar fällt es vielen Verlagen und Medienkonzernen schwer, die Begrifflichkeiten im Netz richtig zu deuten und bei der Recherche das Medium selbst professionell zu nutzen. Hier scheint es insgesamt Nachholbedarf zu geben, vor allem was die Differenzierung von Meldungen aus dem Netz betrifft.

Die Frequenz der twitter-Meldungen lag am Sonntag gegen 13:40 Uhr bei 37,5 tweets pro Minute (Bezogen auf das Hashtag #loveparade), dazu noch diverse Blog-Einträge, Facebook-Posts etc. Es handelte sich um Beileidsbekundungen, Suchmeldungen, Kommentare, Artikel usw., die innerhalb von einigen Stunden die Informationsmenge zum Thema exponentiell anwachsen ließen und das Wachstum dauert an. Die Auswirkungen, die die neuen, für jeden zugänglichen Publikationsmöglichkeiten auf das gesellschaftliche Miteinander haben sind schwer absehbar, zeichnen aber jetzt schon einen grundlegenden Wandel vor.

Interessant wird es sein, wie sich in Zukunft die herkömmlichen Medien der Netzinformationen bedienen und eventuell sogar Strategien für eine direkte Einbeziehung dieser Möglichkeiten entwickeln.

Denkbar ist auch, dass dramatische Fehlplanungen bei Veranstaltungen dieser Art eventuell schon im Vorfeld vermieden werden können, indem das Netz für eine größere Transparenz sorgt und damit Missstände bereits früher aufdeckt.

Alles in allem ein trauriges Ereignis, dass wir sehr bedauern. Es bleibt nur zu Wünschen und Hoffen, dass sich derartige Tragödien nicht wiederholen und in Zukunft bei Massenveranstaltungen der Sicherheitsfaktor an erster Stelle steht.

(In diesem Artikel sind einige Themen angerissen, wie z.B. der Aspekt der Transparenz im und durch das Netz, die in folgenden Beiträgen gesondert betrachtet werden sollen.)